Work-Mom-Balance

Na Steffi, wie läufts in der Arbeit, jetzt wo du ein Kind hast? Wie oft habe ich diese Frage in den vergangenen Monaten gehört. Spoiler: Es läuft fantastisch. Nur halt ganz anders, als ich erwartet hätte.

Arbeit mit Kind – Die Sicht der Selbstständigen

Schwanger sein und Arbeiten mit Kind als Selbstständige hat Vor- und Nachteile, wie so alles im Leben.

  • Mutterschutz? Nur soviel ich mir geben wollte und die Firma verkraften konnte
  • Elternzeit? Bedeutet im Klartext, dass die Agentur pausiert
  • Flexibilität? Unendlich, da ich Notfalls auch einfach am Wochenende arbeiten kann

Da man sich im besten Fall am Entbindungstermin orientieren kann, hab ich die Monate davor möglichst viel vorbereitet, vorgearbeitet und an Julian, unseren Online Marketing Praktikanten, übergeben. Da es mir richtig gut ging, musste ich vor der Entbindung auch keine Abstriche im Büro machen. Ich war froh, dass ich arbeiten konnte, weil mich das zum einen von dem ewigen Warten abgelenkt hat und zum anderen mir meine Arbeit auch richtig Spaß macht, sodass ich diese Kombination nur zu gerne weiter gelebt hab. Ich bin von Anfang an sehr entspannt an die Sache ran gegangen und habe immer gesagt, ich nehme mir mit meinem Baby so viel Zeit, wie ich brauche und fange dann sehr langsam wieder mit meiner Arbeit an. Von wenigen Stunden in der Woche habe ich mich dann gesteigert auf web.SKOR-Vollzeit (#6StundenTageSindDerKnaller). Seit Anfang 2021 kann ich so wieder Vollgas geben, darf meine Kunden betreuen und an dem irren Wachstum mitwirken, dass wir dieses Jahr schon spüren dürfen.

Arbeit mit Kind – Die Sicht der Mutter

Die Anfangszeit mit Kind ist nicht zu unterschätzen. Wäre ich in einer Festanstellung, hätte ich mir bestimmt an mancher Stelle mehr Zeit gegeben. Als Selbstständige war aber natürlich mein Anspruch, möglichst bald wieder arbeiten zu können, gleichzeitig jetzt mit dem rieeeesigen Fokus aufs Baby. Meine Mittagspausen waren davor immer für Mittagsschläfchen, Handyspielen, Insta-Scrollen oder Tiersendungen im TV genutzt worden. Jetzt werden sie ausgefüllt von meiner kleinen Familie und ich war selten um 13Uhr so wach und motiviert. Mein Arbeitstag endet um 15 Uhr, ab dann gibt es keine Mails mehr, keine Firmen-Nachrichten und kein Telefon. Auf diese Art stelle ich sicher, dass ich meine Arbeit gewissenhaft, geregelt und hochkonzentriert erledigen kann, gleichzeitig aber für mein Baby noch eine fröhliche und glückliche Mama sein kann, die nicht kurz vorm Burnout steht. Wie alle Mamas weiß auch ich: Jeder Tag ist anders und eine gewisse Flexibilität räume ich immer ein. Kullern mal große Tränen, nehme ich mir auch während der Arbeit Zeit um diese zu trocknen. Schläft mein Zwerg um 15 Uhr wenn ich eigentlich Feierabend habe, hänge ich bei Bedarf auch einfach mal noch eine Stunde dran und bau mir einen Puffer auf.

 

Corona – Albtraum für Alle – Ein Träumchen für Mich

Versteh mich nicht falsch, auch ich bin super genervt von der Corona Situation. Die Angst in der Schwangerschaft sich anzustecken, die Atemnot mit Maske, wenn das Schnaufen eh schon schwerfällt, Sorge, dass man im Kreisssaal ohne Mann sein muss. Kaum ist das kleine Wunder da ist auch schon Ausgangssperre und die frischgebackenen Großeltern dürfen nicht zu Besuch kommen. Und das sind nur Probleme, die jetzt mich persönlich betreffen.

Das Corona-Glas ist schon längst übergelaufen und keiner hat mehr Geduld und Nerven für dieses Thema. Für mich und meine kleine Familie hat der ganze Irrsinn aber auch Gutes mit sich gebracht. Auf der einen Seite ist mein Mann in der Reisebranche tätig, die ja logischerweise brach liegt. Seit März 2020 darf er darum von zuhause aus Arbeiten und gleichzeitig auch weniger – dank Kurzarbeit. Er konnte mich in der Schwangerschaft unterstützen und ist jetzt jeden Tag bei unserem Kind, während ich in der Arbeit (also im 1. Stock) bin. Ein größeres Geschenk hätte man uns nicht machen können.

 

Vorstellung Vs. Realität

These 1: Ich muss öfter mal am Abend oder am Wochenende ein paar Stunden arbeiten, um das versäumte aus der Woche nachzuholen. Fakt ist: Bis dato ist das nicht vorgekommen!

These 2: Die Zeit mit Kind in der Arbeit wird viel anstrengender, wegen der kurzen Nächte und der zusätzlichen Aufgaben, die eine Mamma erfüllen darf. Fakt ist: Jein – Ich habe mehr Aufgaben, aber mein Mann nimmt mir wahnsinnig viel ab und den Rest mache ich mir so leicht wie es geht. Beispiel: Ich gehe um 9 ins Bett, dann komm auch ich auf ausreichend viel Schlaf.

These 3: Ich kann arbeiten und das Baby bei mir im Büro spielen lassen. Fakt ist: Darüber muss ich einfach lachen. Das ging vielleicht ganz am Anfang, aber jetzt wird beim Spielen lautstark gebrabbelt und gequieckt, da kann man nicht konzentriert arbeiten, geschweige denn telefonieren.

 

So, genug jetzt. Das war ein kleiner, sehr persönlicher Einblick in mein Leben. Ich hoffe, ich konnte meine Work-Mom-Balance gut beschreiben und werdenden Mamis ein bisschen Mut machen. Alles ist möglich! Mein Tipp an junge Familien: Versucht nicht den Alltag von Vor-Baby-Zeiten herzustellen, sondern macht es euch mit eurem Nachwuchs so bequem wie möglich, dann habt ihr weniger Stress und seid viel fröhlicher – ganz egal wie andere darüber urteilen mögen.